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Die Kolonnade & Singende Fontäne

Die ikonische Kolonnade und die Singende Fontäne in Marienbad: Architektur, Geschichte und Veranstaltungszeiten.

Ein architektonisches Meisterwerk

Die Hauptkolonnade von Mariánské Lázně (Marienbad) ist weit mehr als ein Bauwerk — sie ist das pulsierende Herz der Kurstadt und eines der eindrucksvollsten Beispiele neobarocker Kurarchitektur in Europa. Die elegante gusseiserne Konstruktion erstreckt sich über eine Länge von 119 Metern und bildet mit ihrer filigranen Deckenkonstruktion und den zierlichen Säulen einen überdachten Wandelgang, der Kurgäste seit über einem Jahrhundert vor Sonne und Regen schützt, während sie die Heilwässer der Mineralquellen trinken.

Die heutige Kolonnade wurde 1888-1889 nach Plänen der Wiener Architekten Miksch und Niedzielski errichtet und ersetzte eine ältere Holzkonstruktion. Die Bauweise aus Gusseisen war für die damalige Zeit revolutionär und spiegelt den technischen Optimismus des späten 19. Jahrhunderts wider. Die Kolonnade wurde mehrfach restauriert, zuletzt umfassend in den 1970er und 2000er Jahren, und erstrahlt heute in ihrer ursprünglichen Pracht.

Die Quellen der Kolonnade

Unter dem Dach der Kolonnade befinden sich mehrere der wichtigsten Mineralquellen Marienbads, die Kurgäste direkt aus den kunstvoll gestalteten Brunnenaufsätzen trinken können:

  • Kreuzquelle (Křížový pramen): Die bekannteste Quelle Marienbads, seit 1679 bezeugt. Ihr Wasser ist reich an Eisen und wird bei Magen-Darm-Beschwerden und Nierenproblemen empfohlen.
  • Ferdinandsquelle (Ferdinandův pramen): Benannt nach Kaiser Ferdinand I., ist sie besonders mineralstoffreich und wird bei Stoffwechselerkrankungen eingesetzt.
  • Karolinaquelle (Karolinin pramen): Eine milde Quelle, die sich besonders für den Einstieg in die Trinkkur eignet.
  • Rudolfsquelle (Rudolfův pramen): Benannt nach Kronprinz Rudolf, wirkt besonders auf die Harnwege.

Jede Quelle hat eine einzigartige Mineralzusammensetzung und unterschiedliche therapeutische Eigenschaften. Die Kurärzte erstellen für jeden Patienten einen individuellen Trinkplan, der Quelle, Menge, Temperatur und Trinkzeiten festlegt.

Die Singende Fontäne

Direkt vor der Kolonnade befindet sich eines der beliebtesten Wahrzeichen Marienbads: die Singende Fontäne (Zpívající fontána). Dieses einzigartige Zusammenspiel aus Wasser, Musik und Licht wurde 1986 nach einem Entwurf des Ingenieurs Pavel Mikula eingeweiht und ist seitdem ein Höhepunkt jedes Marienbad-Besuchs.

Wie funktioniert die Singende Fontäne?

Die Fontäne besteht aus einem kreisförmigen Becken mit einem Durchmesser von rund 18 Metern, ausgestattet mit Hunderten von Düsen, die durch eine computergesteuerte Anlage präzise choreographierte Wasserfiguren erzeugen. Diese sind exakt auf eine Musikauswahl abgestimmt — von klassischen Kompositionen (Dvořák, Smetana, Chopin) bis hin zu Filmmusik und modernen Stücken. Die Wasserstrahlen „tanzen" buchstäblich zur Musik und erzeugen ein faszinierendes audiovisuelles Erlebnis.

Vorführzeiten

Die Singende Fontäne spielt von Mai bis Oktober zu jeder ungeraden Stunde (7:00, 9:00, 11:00, 13:00, 15:00, 17:00, 19:00, 21:00 Uhr). Die Abendvorführungen nach Einbruch der Dunkelheit sind besonders stimmungsvoll, da die Fontäne dann zusätzlich von farbigem Licht illuminiert wird. Jede Vorführung dauert etwa 10-15 Minuten und ist kostenlos zugänglich.

Die Ferdinand-Havelka-Kolonnade

Neben der Hauptkolonnade verdient auch die Ferdinand-Havelka-Kolonnade Erwähnung — ein kleineres, aber architektonisch ebenso reizvolles Bauwerk im oberen Teil des Kurparks. Sie beherbergt die Ferdinandsquelle und bietet einen ruhigeren, intimeren Rahmen für die Trinkkur. Die Kolonnade wurde nach dem verdienstvollen Kurarzt Ferdinand Havelka benannt, der im 19. Jahrhundert maßgeblich zur wissenschaftlichen Erforschung der Marienbader Heilquellen beitrug.

Geschichte und kulturelle Bedeutung

Die Kolonnade war stets weit mehr als ein funktionaler Wandelgang. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war sie der gesellschaftliche Mittelpunkt des Kurlebens — ein Ort der Begegnung, an dem gekrönte Häupter, Dichter, Musiker und die europäische Aristokratie flanierten. Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin, Richard Wagner und Kaiser Edward VII. gehörten zu den prominentesten Besuchern, die unter dem Dach der Kolonnade ihre Trinkkur absolvierten.

Noch heute ist die Kolonnade das Zentrum des Kurlebens. Morgens und abends strömen Kurgäste mit ihren charakteristischen Trinkkurbecher (Lázeňský pohárek) zu den Quellen, um ihr ärztlich verordnetes Mineralwasser zu trinken — eine Tradition, die sich seit über 200 Jahren kaum verändert hat.

Rund um die Kolonnade

Die Kolonnade liegt im Herzen des wunderschön angelegten Kurparks (Skalníkovy sady), der vom berühmten Landschaftsarchitekten Václav Skalník im 19. Jahrhundert gestaltet wurde. Der Park bietet weitläufige Grünanlagen, historische Pavillons, einen gusseisernen Musikpavillon und gepflegte Blumenbeete. Er ist der ideale Ausgangspunkt für die Terrenkur-Wanderwege, die in die umliegenden Wälder führen.

Praktische Informationen

Die Kolonnade ist ganzjährig frei zugänglich. Die Mineralquellen fließen durchgehend und können jederzeit kostenlos getrunken werden — bringen Sie Ihren eigenen Trinkbecher mit oder erwerben Sie einen traditionellen Lázeňský pohárek in einem der zahlreichen Souvenirgeschäfte. Die Singende Fontäne ist saisonal von Mai bis Oktober aktiv. Der Eintritt ist frei.

Die Kolonnade erreichen Sie bequem zu Fuß vom Stadtzentrum — sie liegt am südlichen Ende der Hauptstraße (Hlavní třída), nur wenige Gehminuten von allen großen Kurhotels entfernt.

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